Experimentelle Onkologie (Arbeitsgruppe 4)
Brustkrebs (Mammakarzinom)
Brustkrebs ist in den industriellen Ländern der westlichen Hemisphäre die häufigste Krebserkrankung der Frau. Dabei ist die Mortalität dieser Erkrankung sehr hoch: ca. 55% aller Brustkrebspatientinnen versterben infolge ihrer Erkrankung. Je früher diese Tumorerkrankung erkannt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Vor dem Hintergrund dieser Tatsache sind Vorsorge und frühzeitige Diagnostik der Erkrankung von höchster Bedeutung.
Unter den verschiedenen Brustkrebsstadien gilt der fortgeschrittene (metastasierte) Brustkrebs nach wie vor als unheilbar. Bei früh erkannten Tumoren ist jedoch die Heilungsrate durch unterschiedliche Therapieansätze in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Die Therapie des Brustkrebs besteht aus Operation, Strahlentherapie und bei Bedarf Hormon- sowie Chemotherapie. Neben diesen klassischen Säulen der Behandlung gewinnen neuere Behandlungsformen an Bedeutung, dessen Wirkung beispielsweise auf der spezifischen Aktivierung oder Hemmung von Zielmolekülen maligner Zellen beruht.
An der Universitätsklinik Innsbruck werden zur Zeit zahlreiche neue Therapieansätze im Rahmen von klinischen Prüfungen erprobt. Eine dieser neuen Therapieformen stellt die Immuntherapie dar.
Immuntherapie beim Mammakarzinom Man unterscheidet 2 unterschiedliche Prinzipien der Immuntherapie: die passive Immuntherapie mittels monoklonaler Antikörper und die aktive Immunisierung (Tumorimpfung).
– Passive Immuntherapie:
Rezente klinische Studien haben gezeigt, dass Patientinnen die nach Operation mit dem monoklonalen Antikörper Trastuzumab behandelt werden deutlich von dieser Therapie profitieren. Dieser Antikörper bindet gezielt an das Tumoroberflächenprotein Her-2/neu und verhindert so die Metastasenbildung. Allerdings kann diese wirksame Therapie nur bei einem Viertel der Patienten eingesetzt werden, nämlich den Patientinnen die das Zielprotein Her-2/neu auf den Tumorzellen tragen.
An der Universitätsklinik Innsbruck wird derzeit eine weitere Form der passiven Immuntherapie an Patientinnen mit Brustkrebs getestet. Diese Patienten werden mit einem monoklonalen Antikörper, der sich gegen das Tumorantigen Ep-CAM richtet, behandelt. Damit wird bei den Patientinnen, die das Her-2/neu Protein nicht auf ihren Tumorzellen tragen, eine weitere Therapie getestet.
– Aktive Immuntherapie:
Ein alternatives immuntherapeutisches Prinzip stellt die aktive Immunisierung gegen das Ep-CAM Protein dar, indem eine Immunantwort mittels subkutaner Gabe eines Strukturanalogs induziert wird. Für Patienten die diese Therapie erhalten haben konnte ein Überlebensvorteil festgestellt werden. Allerdings, müssen laufende klinische Studien dieses Ergebnis noch bestätigen.
Am Labor für experimentelle Onkologie werden in Zusammenarbeit mit dem Tumorzentrum Innsbruck die Wirkungen und Nebenwirkungen dieser neuen Therapiekonzepte erforscht. Insbesondere wird versucht ein Zellkulturmodell zu etablieren in dem die Rolle des Ep-CAM Proteins und seine Wechselwirkungen mit anderen Tumorproteinen analysiert wird.