Wir stehen für kreative Forschung

Die Arbeitsgruppe

Tumor-Mikromilieu

Gruppenleitung: Mag. Dr. rer. nat. Karin Jöhrer-Deym

 

Das Multiple Myelom ist charakterisiert durch eine unkontrollierte Vermehrung von bösartigen Zellen des Blutsystems (Plasmazellen) im Knochenmark. Daraus resultieren eine Verdrängung der normalen Blutbildung einhergehend mit einer verminderten Immunabwehr, hohen Spiegeln von monoklonalen Immunglobulinen und eine starke Aktivierung des Knochenabbaues. Weder verschiedene chemotherapeutische Strategien noch Knochenmarks-Transplantationen führen zur Zeit zur Heilung.

 

Unsere Forschung setzt an verschiedenen Punkten an, um das Multiple Myelom zu einer kontrollierbaren Erkrankung zu machen: 

- Effektive Eliminierung der Tumorzellen durch Synergie von neuen Substanzen mit bekannten Therapeutika sowie Manipulation der Überlebenswege der Myelomzellen

- Strategien zur Immuntherapie beim Multiplen Myelom durch Verbesserung der Immunkompetenz

 

(A) Apoptoseinduktion in Myelom-Zellen 

Eine Strategie zur Bekämpfung des Tumors stellt die Ausschaltung wichtiger Signalwege, die das Überleben der malignen Zellen ermöglicht, dar. Selektive Hemmung der Tumorzellen mit möglichst geringen Nebeneffekten speziell an Zellen des Immunsystems ist das Ziel unserer diesbezüglichen Arbeiten. Der AKT/PKB Signalweg sowie der Pim-2 Signalweg werden momentan als potentielle Angriffspunkte für eine effektivere Therapie untersucht.

Darüber hinaus testen wir in Zusammenarbeit mit dem Institut für Pharmazeutische Biologie der Universität Kiel neue, aus Pflanzen gewonnene Substanzen, auf ihre Wirksamkeit bezüglich der Induktion von Zelltod an Myelomzellen aus. 

(B) Strategien zur Immuntherapie 

Die sogenannte Immuntherapie ist ein neuer vielversprechender Ansatz, das Wachstum und die Ausbreitung der Tumorzellen mit Hilfe des körpereigenen Abwehrsystems zu unterbinden bzw. die Tumorzellen überall im Körper aufzuspüren und zu eliminieren. Bei vielen Tumoren, so auch beim Multiplen Myelom, wird die Aktivität der körpereigenen Immunzellen jedoch unterdrückt, vor allem auch durch Substanzen, die der Tumor selbst bildet. Die Hemmung des Immunsystems kann sich als eine Minderung in der Zellzahl oder durch eine Funktionsstörung zeigen. Beim Myelom ist beides der Fall: es wurde gezeigt, dass ex vivo propagierte Immunzellen durchaus normal und kompetent reagieren, im Patienten jedoch wesentlich in ihren Funktionen eingeschränkt sind (z.B. dendritische Zellen). Zusätzlich ist die Anzahl der Immunzellen im Blut bei Patienten mit Multiplem Myelom vermindert, vor allem bei den sogenannten T-Zellen. Impfstrategien mit dendritischen Zellen und T-Zellen ("Impfung gegen den Krebs") im Tiermodell waren auch aus diesem Grund in der Vergangenheit beim Multiplen Myelom wenig erfolgreich. 
Unsere Daten weisen daraufhin, dass Mitglieder der Chemokin-Familie, gebildet von den Tumorzellen selbst, bei der funktionellen Schwächung des Immunsystems eine Rolle spielen könnten. Vertreter dieser Familie waren bis jetzt vor allem dafür bekannt, dass sie Zellen durch den Körper leiten. Neuere Daten weisen aber auf eine wesentliche Beteiligung der Chemokine in vielen anderen Punkten der Tumorausbreitung hin, von Tumorwachstum bis zur Unterdrückung der Immunabwehr. In unserem laufenden Projekt werden Chemokine, welche von den Myelomzellen selbst gebildet werden, auf ihre Rolle in der Unterdrückung der Immunabwehr hin untersucht. Dazu werden die direkten Effekte von Chemokinen auf das Wachstum, die Differenzierung und die Funktion von T-Zellen und dendritischen Zellen, den wesentlichen Komponenten einer aktiven Immunabwehr, analysiert. Diese Ergebnisse sollen die Grundlage für effektivere Impfstrategien beim Multiplen Myelom bilden.

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Das Tiroler Krebsforschungsinstitut hat sich ein mittelfristiges Ziel gesetzt: in enger Zusammenarbeit von Forschern und Klinikern sollen neue Krebstherapiekonzepte am Institut entwickelt und zum klinischen Einsatz gebracht werden. Dieses ehrgeizige Ziel unterstreicht den kreativen Optimismus, der die gesamte Initiative beseelt.
Gruppenleitung: Mag. Dr. rer. nat. Karin Jöhrer-Deym

Publikationen

Peschl P, Ramberger M, Höftberger R, Jöhrer K, Baumann M, Rostásy K, Reindl M. Int J Mol Sci 2017, pii: E679

Steiner N, Borjan B, Hajek R, Jöhrer K, Göbel G, Willenbacher W, Kern J, Gunsilius E, Untergasser G. Oncotarget 2017, doi: 10.18632/oncotarget.17353

Steiner N, Hajek R, Sevcikova S, Borjan B, Jöhrer K, Göbel G, Untergasser G, Gunsilius E. PLoS One 2017, 12(7):e0181487

Steiner N, Ribatti D, Willenbacher W, Jöhrer K, Kern J, Marinaccio C, Aracil M, García-Fernández LF, Gastl G, Untergasser G, Gunsilius E. Oncotarget 2015, 6(10):8200-9

Thangavadivel S, Zelle-Rieser C, Olivier A, Postert B, Untergasser G, Kern J, Brunner A, Gunsilius E, Biedermann R, Hajek R, Pour L, Willenbacher W, Greil R, Jöhrer K. Oncotarget 2016, 7(48):78605-78618

Zelle-Rieser C, Thangavadivel S, Biedermann R, Brunner A, Stoitzner P, Willenbacher E, Greil R, Jöhrer K. J Hematol Oncol 2016, 9(1):116

Pircher A, Jöhrer K, Kocher F, Steiner N, Graziadei I, Heidegger I, Pichler R, Leonhartsberger N, Kremser C, Kern J, Untergasser G, Gunsilius E, Hilbe W. Oncotarget 2016, 7(15):20109-23

Ganghammer S, Gutjahr J, Hutterer E, Krenn PW, Pucher S, Zelle-Rieser C, Jöhrer K, Wijtmans M, Leurs R, Smit MJ, Gattei V, Greil R, Hartmann TN. Haematologica 2016, Mar;101(3):e99-102